Über mich







PERSÖNLICHES

1976 in Durban/Südafrika geboren und als Kind deutscher Einwanderer dort aufgewachsen. Vater: Kapitän zur See. Mutter: Apothekerin. 2 ältere Brüder.



1982 Einschulung - Parkside Primary School.

1989 Glenwood Boys High School.

1991 Umzug von Durban, Südafrika zurück nach Hamburg.

1996 Abitur an der Hamburger Jahnschule.







1996/1997 Wehrpflichtiger beim 2. ABC Abwehrbataillon 610 in Albersdorf (Schleswig Holstein).

1998 Kaufmännische Ausbildung in einem Düsseldorfer Verlag.

2000 Hochzeit auf der Nordsee Insel Wangerooge.

2001-2002 Angestellt beim Axel Springer Verlag.

Seit 2002 Angestellter einer Reederei.

2003 Geburt des ersten Sohnes.

2003 Ausbildereignungsprüfung IHK.

2009 Personalfachkaufmann IHK.










POLITISCHES


Nach einer bewegten Jugend im rechten Spektrum, öffentliche Distanzierung im Jahre 2001.
Autor des Buches “Volk am Rand” im Berliner Eulenspiegel Verlag. Im Anschluss diverse Lesungen, Vorträge an Schulen etc. gegen Rechtsextremismus.

Nach einer längeren politischen Abstinenz habe ich entschieden mich wieder politisch zu engagieren. Wachsende soziale Missstände, der Abbau von Grundrechten und der verantwortungslose Umgang mit den Tieren und der Umwelt sind Zustände mit denen ich mich nicht abfinden möchte. Daher bin ich aktives Mitglied der Partei Mensch Umwelt Tierschutz  geworden.

Gerade aufgrund meiner eigenen Biografie finde ich es besonders wichtig, mich für die schwächsten der Gesellschaft einzusetzen und denen die keine Stimme haben eine Lobby zu geben.





















Autor: Michael Mielke                                                                                     23.06.2005
quelle: http://www.welt.de/print-welt/article677980/Das_gute_Gefuehl_angefeindet_zu_werden.html

Das gute Gefühl, angefeindet zu werden

Warum wird man NPD-Mitglied und wie kommt man wieder raus? ... Der Hamburger Jan Zobel hatte eine große Zukunft in der Partei vor sich. Dann kam der Bruch. ...
Den Arm gehoben und "Heil Hitler" gebrüllt hat Jan Zobel nicht. Er hat auch nie politischen Gegnern aufgelauert, um sie zu verprügeln. Zobel war gefährlicher. Sein Aussehen mag darüber hinweg getäuscht haben. Der 28jährige wirkt noch heute wie ein große Junge: nett, freundlich, mit Grübchen in den Wangen, wenn er lacht. Anhänger und Interessenten werden ihm gern zugehört haben, wenn er seine Brandreden hielt. Von Ausländern, die konsequent auf die schnellstens enteignet werden sollten; von ohnmächtigen Großparteien und der lachhaft inkonsequenten Polizei. Und vom Wahlvolk, das in die richtige Richtung gelenkt werden müsse. Getreu der entlarvenden Losung: Es liegt nicht an Fehlern im System, der Fehler ist das System.
Zobel war 14, als er nach Deutschland kam - ein Kulturschock, als die Eltern 1990 vor den zunehmenden Unruhen in Südafrika zurück nach Hamburg flohen. Von einer weißen Villa in eine dunkle Drei-Zimmer-Wohnung, vom sonnigen Durban ins verregnete Altona, so beschreibt er es später in seinem Buch "Volk am Rand - NPD: Personen, Politik und Perspektiven der Antidemokraten" (Verlag edition ost).
Der 14jährige, der sich zurücksehnte, sah die neue Umgebung vermutlich besonders kritisch. Im Rückblick vor allem die Schule, "in der es mehr Türken als Deutsche gab". In Durban, in der Lehranstalt nur für Weiße, waren die Lehrer Respektspersonen. Mit den Hamburger Pädagogen, "die mit Birkenstocksandalen und geflochtenen Haarsträhnen in die Klasse schlurfen" und mit Schülern, die ihnen meist gar nicht zuhören, kann er wenig anfangen. Es ist die Zeit, als in Städten wie Hoyerswerda Ausländerheime in Brand gesetzt werden. Die Lehrer erzählen von der Diktatur im Osten. Die Menschen seien deformiert. Und Zobel solle doch mal von Südafrika erzählen, dort habe er doch auch in einer Art Diktatur gelebt. Da wird also, so empfindet er es, auf seine alte Heimat gespuckt. Er beginnt, diese Heimat zu verteidigen.
Zobel ist nicht der Typ, der sich im Bierzelt in Gespräche verwickeln läßt und anschließend mitläuft. Er wird selbst aktiv, sucht Kontakte. Einen findet er beim Hilfskomitee Südliches Afrika e.V. in Coburg. Später erst erfährt er, daß diese Zeitung 1951 von einem ehemaligen SS-Sturmbannführer und Chef der Bandenbekämpfung im Führerhauptquartier gegründet wurde. Aber das wäre ihm damals ohnehin egal gewesen.
Doch Coburg ist weit. Er will mit Gleichgesinnten reden, "heimisch werden", wie er es nennt, "bei Leuten, die wie ich über Südafrika dachten und auch andere Vorstellungen von Deutschland hatten." Es beginnt bei einem Besuch der Republikaner, die sich im Hinterzimmer eines Sportheimes in Altona treffen. Eine Horde alter Männer, die mit dem 16jährigen wenig anfangen können. Die zweite Adresse ist die NPD. Er gerät gleich beim ersten Anruf an den Hamburger Landesvorsitzenden Ulrich Harder. Der ist sich erfreut: Junge Leute brauchen wir immer. Zobel ist der einzige Teenager. Er hört eine Rede des damaligen NPD-Vorsitzenden Günter Deckert, versteht nicht alles, fühlt sich aber "mitgerissen, und angenommen" - und füllt den Aufnahmeantrag aus. So beginnt seine Parteikarriere.
Wenig später gründet Zobel in Hamburg eine Zelle der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten und läßt sich zum Landesvorsitzenden wählen. Er träumt von einer Politikerkarriere. Seine geistige Beweglichkeit wird von führenden NPD-Mitgliedern schnell erkannt. Zobel steht als Dolmetscher neben Apfel bei Großveranstaltungen, zu denen Rechtsextreme aus aller Welt kommen. Er hält selber Reden bei Kundgebungen, genießt es, im Mittelpunkt zu stehen und, geschützt vom Kordon der Gleichgesinnten, angefeindet zu werden.
Und er hat Lehrmeister. Unter ihnen Thies Christophersen aus dem dänischen Kollund, der 1974 mit seinem Machwerk "Auschwitzlüge" traurige Berühmtheit erlangte. "Thies ist ein guter Erzähler", wird Zobel später schreiben. "Ich hänge ihm stets an den Lippen, wenn er Vergangenes aus der Erinnerung holt." 1995 wird Zobel - kaum 18 geworden - Chefredakteur des NPD-Blattes "Einheit und Kampf". Er hat einen Namen in der Szene und wird schließlich sogar unfreiwillig zum Märtyrer, als ein TV-Sender einen Bericht über die rechtsextreme Szene in Hamburg bei einer Demonstration in Halstenbek filmt. Klassenkameraden an der Jahn-Schule in Hamburg, vor denen er seine NPD-Mitgliedschaft verheimlichte, erkennen ihn. Die Nachricht, erinnert er sich, "läuft wie Quecksilber durch die Flure". Es gibt öffentliche Proteste, Lehrer weigern sich, ihn fürs Abitur zu prüfen. Er wird mit Schlägen bedroht, als Spion beschimpft, der angeblich für die rechte Szene Mitschülern fotografiert hat.
Zobel spürt zum ersten Mal kollektive Ablehnung. Er leidet darunter, doch das ist noch nicht der Bruch. Der setzt später ein, fast unmerklich. Ausgelöst, wie er sagt, "durch lächerliche Meinungsverschiedenheiten" wie seine Weigerung, sich bei einem Schulungslager der Jungen Nationaldemokraten am Frühsport zu beteiligen. Oder weil er mit Bildtexten in der Zeitschrift "Einheit und Kampf" eingefleischte Nazis verspottet. Was ihm vom damaligen Bundesvorsitzenden der Jugendorganisation mächtige Kritik einbringt. Er heißt Holger Apfel, ist sechs Jahre älter als Zobel und sitzt heute als Chef der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag in Dresden.
Manches hat sich in seiner Erinnerung vielleicht zugespitzt. Aus heutiger Sicht jedenfalls mochte er Apfel vom ersten Tag an nicht. Apfel ist der Parteisoldat, der für die NPD von Ort zu Ort zieht und anderen, so Zobel, "sogar nachts noch mit Telefaxen auf die Nerven geht". Zobel ist der Bohemien, der sich schon damals "bewußt distanziert von dumpfer Gewalt und Nazi-Kult und die nationale Bewegung aus der Schmuddelecke holen" will. Längst hat er sich auch von Leuten wie Altnazi Christophersen abgewandt. Aber nicht etwa, um die rechtsextreme Partei auf demokratische Wege zu führen. Im Gegenteil. Es geschieht noch immer im Geiste der so genannten nationalen Bewegung. Er will "den Bürger nicht verschrecken, sondern gewinnen". Damit liegt er anfangs auf einer Linie mit Altvorderen der NPD. Ab 1996 jedoch, als die Partei zunehmend an Bedeutung verliert, nicht mehr. Leute wie Apfel sehen die Überlebenschance in einer Art Sammelbewegung, öffnen neonazistischen Kameradschaften und ähnlichen Vereinigungen Ewiggestriger Tür und Tor. "Mit allem, was dazu gehört", sagt Zobel, "hohles Pathos, Germanen-Kult und Vergötzung der NS-Zeit." Er habe sich, als er zur NPD ging, "als Vorkämpfer einer neuen, besseren Welt gefühlt", erinnert er sich in seinem Buch. "Aber mir war klar: Das ging nicht mit dieser Partei." 1996 muß Zobel zur Bundeswehr. Das erleichtert die offizielle Trennung von der Partei. Aber es ist noch nicht der endgültige Bruch mit der Neonazi-Szene. Er freundet sich mit dem sechs Jahre älteren, als "Yuppi-Nazi" geltenden Torsten Lemmer an; absolviert mit dessen Hilfe in Düsseldorf eine Lehre zum Verlagskaufmann; verdient viel Geld beim Vertrieb rechtsextremer Musik und des Hochglanzmagazins "RockNord". Doch das ist - auch für Lemmer - zunehmend nur noch ein Geschäft. Sie verkaufen Ideologie, wissen um deren Gefahr und lehnen sie selber zunehmend ab. Und Zobel beschäftigt sich weiter intensiv mit der NPD - "jetzt aber kritisch". Er trifft in Düsseldorf auf "dumpfe rechtsextreme Rockgruppen", die er im Studio betreut, zu denen er nicht mehr gehören will. Und auch die Besuche bei seinem älteren Bruder, der in Südafrika geblieben war, zeigen jetzt Wirkung: Die sonnigen Erinnerungen verblaßten. "Ich sah die Spuren der Apartheid aus der Distanz weitaus kritischer."
Anfang 2001 lernt Zobel den Regisseur Christoph Schlingensief kennen. Der plant ein Projekt am Zürcher Schauspielhaus: Einen Schlingensief-Hamlet, bei dem am Ende eine Horde echter Neonazis auf die Bühne trampelt und den alten Idealen abschwört. Zobel und Lemmer, die sich dafür werben lassen, planen anfangs den Schock, wollen auf der Bühne "April, April" und "wir bleiben Neonazis" brüllen. Das beteuern sie sich zwar gegenseitig - doch Tage später, bei der Hamlet-Aufführung in Berlin, bleiben sie bei den von Schlingensief geplanten Rollen. Daraufhin werden sie in Talk-Shows geladen, müssen sich bei Podiumsdiskussionen unbequemen Fragen stellen - plötzlich sind sie die wankelmütigen Neonazis zum Anfassen. Nach einem Besuch des Grabes von Brecht auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, erklärt Lemmer ergriffen, endgültig auszusteigen. Er rennt bei dem Freund offene Türen ein: "Wir haben uns vor vollendete Tatsachen gestellt", sagt Zobel, "und dann selber über die Schwelle getragen."
Zobel lebt jetzt wieder in Hamburg, arbeitet in einem koreanischen Konzern. Er ist verheiratet, hat einen kleinen Sohn. Wenn es seine Zeit zuläßt, liest er aus seinem Buch vor jungen Leuten, denen er Hintergründe über die seiner Meinung nach "so höllisch unterschätzte, wie ein Krebsgeschwür wachsende, demokratiefeindliche NPD" erzählt. Über seine eigene Entwicklung sagt er, er werde wohl immer "Werte vertreten wie Disziplin, Familie, konsequente Erziehung und Patriotismus für Deutschland". Er wirkt ehrlich. Er ist noch unterwegs. Aber er weiß jetzt, was er nicht will.
http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/npd-verbotsverfahren-die-npd-ist-radikal-wie-eh-und-je/1201522.html

NPD-Verbotsverfahren"Die NPD ist radikal wie eh und je"


Was halten Sie von einem NPD-Verbotsverfahren?
Die Debatte über ein neues NPD-Verbotsverfahren hat in Deutschland wieder Fahrt aufgenommen. Tagespiegel.de hat mit dem NPD-Aussteiger Jan Zobel gesprochen und gefragt, was er von einem Verbot der Partei halten würde.


Ich bin grundsätzlich kein Befürworter von Verboten in einer politischen Auseinandersetzung. Allerdings sehe ich bei der NPD mittlerweile genügend Anhaltspunkte für ein Verbot. Damit ist das Problem aber nicht aus der Welt geschafft. Da muss man unterscheiden, ob es hier um ein Verbot der NPD an sich geht oder um eine Schwächung dieser gesamten Szenerie.

Was würde ein Verbot für die Partei bedeuten?
Der Vorteil eines Verbots wäre zunächst einmal, dass die Strukturen zerschlagen wären und die Führungsfiguren wegbrechen würden.
Damit könnte man ein Zeichen setzen in die gesamte Szene hinein, um die Leute unter Druck zu setzen.

In Ihrem Buch „Volk am Rand“ haben Sie geschrieben, dass die Politiker mit einem Verbot die für sie bequemere Variante wählen würden. Was genau haben Sie damit gemeint?
Aus Sicht der anderen politischen Parteien ist ein Verbot natürlich die schnelle Lösung. Das Problem ist damit scheinbar erst einmal gelöst. Aber die Diskussion über das Thema Rechtsextremismus darf nicht beendet werden, indem man sagt, „wir haben die NPD verboten und damit ist das Thema vom Tisch“. Denn das Problem bleibt weiterhin bestehen.

...Weil die rechte Szene in den Untergrund abwandern könnte, wo sie schwerer zu kontrollieren ist?

Die Gefahr ist immens groß, dass die Ideologie weiterhin einen Nährboden findet und dass ein Signal gesetzt wird nach dem Motto „Uns wurde Unrecht getan“. Das könnte die Szene stärken und es treibt natürlich eventuell Leute in die Illegalität. Leute, die dann tatsächlich bereit sind, andere Operationsweisen zu wählen anstatt Parteipolitik zu betreiben. Es ist ein absolut kontroverses Thema, wo ich nicht abschließend sagen könnte, ich bin Gegner oder Befürworter eines Verbots.

Sie kennen die Partei und ihre Strukturen ganz gut. Wie hat sich die Partei Ihrer Einschätzung nach auf ein mögliches Verbot eingestellt?

Es gibt ja neben der offiziellen Struktur der Partei die sogenannten freien Kameradschaften, die ganz unterschiedlich gestaltet und aufgebaut sind. Zum Teil sind das einfach Gruppierungen, die der NPD sehr nahe stehen und völlig legal arbeiten. Und zum Teil gibt es eben auch militante Zellen, die aber ebenfalls Kontakte zur NPD pflegen. Es kann natürlich durchaus sein, dass nach einem Parteiverbot Aktivisten, die sich bisher parteilpolitisch eingebracht haben, dann den Weg wählen in diese freien Kameradschaften, die für den Staat viel schwerer zu überwachen sind.
Ein Verbot wäre nur dann sinnvoll, wenn man auch danach akribisch darauf achten würde, dass diese Strukturen auf keinste Weise weiter geführt werden. Wir haben in Deutschland schon einige Verbote gehabt, zum Beispiel der Gruppierung "Blood and Honour". Das war ein Schuss in den Ofen, absolut erfolglos. Man hat die Organisation verboten und sich selbst auf die Schulter geklopft. Doch diese Personen, die da agiert haben, agieren heute unter anderem Deckmantel viel erfolgreicher als damals.

Hat der Staat auch bei der NPD versagt? Das letzte Verbotsverfahren war ein Debakel, nun weigern sich Innenminister aus acht Ländern, dem Bund die gewünschten Informationen vorzulegen…

Was ich sehr kritisch sehe, ist die Rolle des Verfassungsschutzes in dieser ganzen Geschichte: Auf der einen Seite heißt es, die V-Männer müssen drin bleiben, weil sie die Partei überwachen müssen. Es werden Millionen aufgewendet, um die Personen dort zu halten und vor allem auch an zweifelhafter Stelle zu halten. Zum Teil sind die V-Leute selbst Funktionäre, zum Teil wirken sie radikalisierend auf die Jugendszene ein.
Auf der anderen Seite führen die Diskussionen über ein mögliches Verbot nicht dazu, dass die Informationen auch herausgerückt werden. Es liegt viel mehr an Material vor als im Verfassungsschutzbericht steht. Ich wundere mich doch sehr, dass die Informationen, die offensichtlich vorhanden sind, nicht benutzt werden.

Sind Sie aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen innerhalb der NPD der Ansicht, dass die Partei verfassungsfeindlich ist?

Ich sehe die NPD durch und durch als verfassungsfeindlich an. Das sieht man schon daran, dass die Abgrenzungen zum kriminellen und auch nationalsozialistischen Milieu völlig weg sind. Ehemalige Funktionäre verfassungsfeindlicher Parteien, die inzwischen verboten sind, sind mittlerweile in der Führungsebene der NPD tätig. Sie setzen dort fort, was sie seinerzeit in radikaleren Parteien wie etwa der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei gemacht haben.
Die NPD arbeitet ganz offensichtlich auch mit Gewalttätern zusammen - mit Personen, die wegen Körperverletzung angeklagt waren oder etwas mit Terrorismus zu tun hatten, also etwa eine kriminelle Karriere als Bombenbauer und –bastler gemacht haben. Sie sind mittlerweile in der NPD absolut integriert und arbeiten zum Teil als Mitarbeiter von Landtagsfraktionen. Dafür gibt's unzählige Beispiele. Die NPD schämt sich dessen auch nicht mehr, sie geht ganz offensiv damit um. Wenn jetzt in der Verbotsdebatte leisere Töne angeschlagen werden, ist das natürlich Humbug. Die sind radikal wie eh und je.

Inwieweit nutzt die Debatte über ein mögliches Verbot der NPD?

Diese Debatte nutzt der NPD ungemein und ich konnte nicht begreifen, warum im Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Voprommern eine NPD-Verbotsdiskussion angestoßen wurde. Ich halte das für absolut fatal. Denn die NPD fischt bei den Wählern um Stimmen, die dieses System ablehnen. Wenn darüber diskutiert wird, die NPD zu verbieten, dann ist das geradezu eine Einladung für die Unzufriedenen. Sie sagen sich: „Das ist die Partei, die muss ich wählen, damit kann ich die ärgern“.
Ich halte diese ewige Diskussion darüber für überflüssig. Das ist eine Geschichte, die muss auf der Innenministerkonferenz besprochen werden. Das gesellschaftliche Klima ist da, es muss nicht herbei geredet werden, es müssen keine Mehrheiten geschaffen werden. Und wenn es tatsächlich so ist, dass es hieb- und stichfeste Beweise gibt, dann muss man das auch schnell durchziehen.

Lassen Sie uns über die Alternativen zu einem Verbot sprechen. Was ist davon zu halten, NPD-nahen Einrichtungen den Geldhahn abzudrehen?

Ich glaube, dass der Druck, der von Seiten des Staats aufgebaut wird, schon etwas bringt. Allerdings muss es aber auch immer rechtsstaatlich zugehen. Natürlich muss man denen den Zugang zu Geldern so schwer wie möglich gestalten. Aber es wäre der völlige Wahnsinn, wenn eine Landtagsfraktion der NPD in irgendeiner Form benachteiligt würde - sprich, dass sie weniger Geld bekäme oder ihr der Zugang zu irgendwelchen Gremien verweigert würde. Dann fangen wir an, an der Demokratie zu basteln und das halte ich für gefährlich. Das ist nicht der richtige Weg. Da, wo Straftaten sind, da muss man ermitteln, da wo man die Möglichkeit hat, ihnen das Leben schwer zu machen, soll man es auch machen. Aber es muss alles im Rahmen des demokratischen Konsens stattfinden.

Sie üben offen Kritik an der NPD, haben ein Buch über die Verstrickungen der Partei geschrieben und bezeichnen sie offen als verfassungsfeindlich. Haben sie manchmal Angst, wenn Sie sich so offen äußern?

Natürlich spielt das Thema Angst immer eine Rolle bei diesem Thema. Man kennt seine Pappenheimer und weiß, dass es innerhalb der Szene genug Leute gibt, die gewalttätig sind und vor Gewalt nicht zurück schrecken. Aber ich finde, man muss die Öffentlichkeit suchen und den Leuten die Stirn bieten und mit dem Thema offen und selbstbewusst umgehen. Ich möchte anderen Mut machen, sich gegen die rechte Szene aufzulehnen. Das kann man tatsächlich nur machen, wenn man damit auch offen und entspannt umgeht.

Jan Zobel (Jahrgang 1976) wird 1993 Mitglied der Jungen Nationaldemokraten und der NPD. Anfang 1997 tritt er wieder aus, 2001 bricht er endgültig mit der rechtsradikalen Szene. Sein Buch "Volk am Rand", in dem er sich mit der NPD auseinander setzt, erscheint 2005.
Das Interview führte Nicole Messmer




Debatte um Verbotsverfahren: Wahre Worte von Jan Zobel

01. APRIL 2008 19:44
Der Tagesspiegel hat mit dem Nazi-Aussteiger Jan Zobel über die aufgeregte NPD-Verbotsdebatte gesprochen, Zobel erwähnte dabei einige ganze Reihe von wichtigen Punkten, die in der Diskussion sonst gerne vernachlässigt werden. So betonte Zobel zunächst, dass er grundsätzlich kein Befürworter von Verboten in einer politischen Auseinandersetzung sei. Allerdings “sehe ich bei der NPD mittlerweile genügend Anhaltspunkte für ein Verbot. Damit ist das Problem aber nicht aus der Welt geschafft”. Der Vorteil eines Verbots sei zunächst einmal, dass die Strukturen zerschlagen wären und die Führungsfiguren wegbrechen würden. Damit könne “man ein Zeichen setzen in die gesamte Szene hinein, um die Leute unter Druck zu setzen”.
“Andere Oppositionsweisen als Parteipolitik”
Aber: Das Problem sei damit nur scheinbar erst einmal gelöst. Die Diskussion über das Thema Rechtsextremismus dürfe dann nicht beendet werden, mahnt Zobel. Denn das Problem bleibe weiterhin bestehen. Die Gefahr sei zudem immens groß, dass die Ideologie weiterhin einen Nährboden findet und dass ein Signal gesetzt werde nach dem Motto „Uns wurde Unrecht getan“. “Das könnte die Szene stärken und es treibt natürlich eventuell Leute in die Illegalität. Leute, die dann tatsächlich bereit sind, andere Operationsweisen zu wählen anstatt Parteipolitik zu betreiben.” (Siehe dazu auch
Zobel vermutet, es könne “natürlich durchaus sein, dass nach einem Parteiverbot Aktivisten, die sich bisher parteilpolitisch eingebracht haben, dann den Weg wählen in diese freien Kameradschaften, die für den Staat viel schwerer zu überwachen sind. Ein Verbot wäre nur dann sinnvoll, wenn man auch danach akribisch darauf achten würde, dass diese Strukturen auf keinste Weise weiter geführt werden. Wir haben in Deutschland schon einige Verbote gehabt, zum Beispiel der Gruppierung “Blood and Honour”. Das war ein Schuss in den Ofen, absolut erfolglos. Man hat die Organisation verboten und sich selbst auf die Schulter geklopft. Doch diese Personen, die da agiert haben, agieren heute unter anderem Deckmantel viel erfolgreicher als damals.”
“Informationen, die vorliegen, werden offenbar nicht genutzt”
Zobel thematisiert auch die Rolle des Verfassungsschutzes: “Auf der einen Seite heißt es, die V-Männer müssen drin bleiben, weil sie die Partei überwachen müssen. Es werden Millionen aufgewendet, um die Personen dort zu halten und vor allem auch an zweifelhafter Stelle zu halten. Zum Teil sind die V-Leute selbst Funktionäre, zum Teil wirken sie radikalisierend auf die Jugendszene ein. Auf der anderen Seite führen die Diskussionen über ein mögliches Verbot nicht dazu, dass die Informationen auch herausgerückt werden. Es liegt viel mehr an Material vor als im Verfassungsschutzbericht steht. Ich wundere mich doch sehr, dass die Informationen, die offensichtlich vorhanden sind, nicht benutzt werden.” (Siehe dazu auch: Was bringen Erkenntnisse, die keiner kennt?)
Abschließend kritisiert Zobel die sich wiederholenden Debatten über ein NPD-Verbot: Er halte diese für “überflüssig”. Das sei “eine Geschichte, die muss auf der Innenministerkonferenz besprochen werden. Das gesellschaftliche Klima ist da, es muss nicht herbei geredet werden, es müssen keine Mehrheiten geschaffen werden. Und wenn es tatsächlich so ist, dass es hieb- und stichfeste Beweise gibt, dann muss man das auch schnell durchziehen.” (Siehe dazu auch: Es ist schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem)


mit Christoph Schlingensief (2001)


Buchvorstellung in der Landespressekonferenz Sachsen (2005)